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Die Katholischen Krankenhäuser - Unverzichtbar menschlich

Ausgabe 8 / 27. März 2026

Pflege braucht Zeit und nicht mehr Formulare

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Pflege dokumentiert – aber zu oft mehrfach und nebeneinander. Jana Luntz, Vizepräsidentin des Deutschen Pflegerats, plädiert für intuitive Systeme und einen Fokus auf das, was für die Versorgung wirklich notwendig ist.

Dokumentation ist notwendig für die Behandlung und ihre Nachvollziehbarkeit. Denn sie sorgt dafür, dass alle an einer Behandlung Beteiligten eine Krankengeschichte kennen und sie wissen, was getan wurde, was geplant ist und worauf zu achten ist. Es muss nachweisbar dokumentiert werden, was an einer Patientin oder einem Patienten tatsächlich stattfindet.

Im Alltag hat sich dieses Prinzip jedoch verschoben. Der Aufwand für das Festhalten von Informationen liegt im Schnitt bei etwa drei Stunden täglich. Diese Zeit fehlt bei den Patientinnen und Patienten.
Das Problem ist nicht die Dokumentation an sich.

Entscheidend ist, dass sie sich auf das konzentriert, was für die Arbeit an der Patientin bzw. am Patienten gebraucht wird. Das aber ist in der Praxis häufig nicht der Fall: Informationen werden mehrfach erfasst und Anforderungen sind nicht aufeinander abgestimmt.

Deshalb braucht es eine klare Richtung: Im Grunde müsste das, was Pflegende dokumentieren, die Grundlage sein, aus der sich alle weiteren Daten ableiten lassen. Doppeldokumentationen hingegen sind abzubauen. Das würde nicht nur Zeit sparen, sondern auch die Qualität der Informationen verbessern.

„Digitale Lösungen müssen intuitiv nutzbar sein und die Arbeit erleichtern“

Digitalisierung kann dabei helfen, wenn sie sich am Alltag orientiert. Die Pflege ist offen für digitale Lösungen. Doch sie müssen intuitiv nutzbar sein und die Arbeit erleichtern. Die vielen unterschiedlichen Instrumente, in denen heute dokumentiert werden muss, tun das nicht. Und das treibt Pflegende um.
Kritisch ist, dass Dokumentation zunehmend aus einem Kontrollgedanken heraus gestaltet wird. Für die Pflege verschiebt sich damit der Fokus weg von der Frage, was für die Versorgung wichtig ist, hin zu dem, was nachgewiesen werden muss.

„Weniger unnötiger Dokumentationsaufwand bedeutet nicht weniger Qualität, sondern mehr Zeit für Patientinnen und Patienten“

Dabei haben Pflegende ihren Beruf gewählt, um Menschen zu unterstützen. Wenn ein erheblicher Teil ihrer Arbeitszeit aber in Dokumentation gebunden ist, entsteht ein Spannungsfeld zwischen Anspruch und Realität. Das wirkt sich auf Motivation und Zufriedenheit aus.

Deshalb braucht es eine klare Orientierung: Dokumentation muss der Versorgung dienen. Weniger unnötiger Aufwand bedeutet nicht weniger Qualität, sondern mehr Zeit für Patientinnen und Patienten. Darauf muss sich das System wieder konzentrieren.

Jana Luntz, Vizepräsidentin des Deutschen Pflegerats, ist hauptberuflich Pflegevorständin der Universitätsmedizin Greifswald.

Titelfoto: iStock/Cristian Casanelles
Porträt: DPR / Reiner Freese

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