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Die Katholischen Krankenhäuser - Unverzichtbar menschlich

Ausgabe 8 / 27. März 2026

Editorial

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Liebe Leserin, lieber Leser,

die Diskussion um die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist in vollem Gange. Eine Regierungskommission sucht nun nach Wegen, die GKV finanziell zu entlasten.

Die Vorschläge, die derzeit kursieren, sind weitreichend: Kürzungen für Krankenhäuser und Praxen, Einschränkungen im Leistungsangebot, neue Belastungen für die Versorgung.

Es sind Maßnahmen, die tief in das System eingreifen, und die Patientinnen und Patienten ebenso betreffen wie die Mitarbeitenden in unseren Einrichtungen.

Erstaunlich leise bleibt es dabei um ein Thema, das seit Jahren bekannt ist und ein erhebliches Einsparpotenzial birgt: die überbordene Bürokratie in unserem Gesundheitswesen.

In unseren Krankenhäusern verbringen Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte im Durchschnitt rund drei Stunden täglich mit Dokumentation, Formularen, Prüfberichten und administrativen Prozessen. Zeit, die für die direkte Versorgung fehlt. Zeit, die Fachkräfte frustriert. Zeit, die Geld kostet ohne unmittelbar dem Patientenwohl zu dienen.

Dabei wird der Bürokratieabbau politisch regelmäßig beschworen. In der Praxis jedoch erleben viele unserer Einrichtungen das Gegenteil: neue Nachweispflichten, zusätzliche Prüfverfahren, immer komplexere Regelwerke. Der Anspruch, Transparenz zu schaffen und Qualität zu sichern, ist richtig. Doch die gesunde Balance ist verloren gegangen.

Für diese Ausgabe haben wir Stimmen aus der Klinikpraxis gesammelt. Sie zeichnen ein klares Bild: Bürokratie ist längst kein Randthema mehr, sondern ein zentrales Hindernis im Arbeitsalltag. Zugleich haben wir eine Wissenschaftlerin gebeten, mit etwas Abstand auf die Rolle von Bürokratie zu blicken. Denn nicht jede Regel ist überflüssig. Entscheidend ist, was sie bewirkt und was sie kostet.

Wenn wir ernsthaft über die Zukunftsfähigkeit und Finanzierbarkeit unserer Gesundheitsversorgung sprechen, dürfen wir diesen Aspekt nicht länger ausklammern. Bürokratieabbau ist kein Nebenprojekt! Er ist ein zentraler Hebel für Effizienz, für bessere Arbeitsbedingungen und letztlich für eine gestärkte Patientenversorgung.

Es ist Zeit, ihn auch so zu behandeln.

Ihre
Bernadette Rümmelin
Geschäftsführerin des Kath. Krankenhausverbands Deutschland

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